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Mit Trainingsfleiß und Tunnelblick – Weser Kurier 19.04.2012

Der Vorsitzende des Bremer Billard-Clubs, John Blacklaw, war 2010 Deutscher Meister im 8-Ball und kämpft derzeit mit dem Pool-Billard-Club Lingen um den Einzug in die erste Bundesliga.

Bremen. Billard eine Kneipensportart? Von wegen! Denn dieser Mentalsport ist eine ziemlich ernste Angelegenheit. Nur wenige wissen dass es allein in Deutschland rund 40000 Pool-Spieler gibt, die diesem Sport als Hobby in Vereinen nachgehen. Dennoch hält sich dieses Gerücht vom Kneipensport hartnäckig. Zu Unrecht, finden aktive Poolbillard-Spieler wie John Blacklaw. Aber wie so manch anderer, ist auch er einer der zugeben muss, seine Karriere in einer Spielhalle begonnen zu haben.

John Blacklaw fing vor 20 Jahren mit dem Poolbillardspielen an und zählt heute zu den Besten Deutschlands. Während seiner Ausbildung Anfang der 90er Jahre war der heute 41-jährige Bremer in Visselhövede nahezu sieben Tage die Woche in einer Spielhalle. “In der Freizeit gab es für mich damals nur das Billard-Spielen”, sagt John Blacklaw, der neben dem deutschen auch einen schottischen Pass besitzt. Nach gerade einmal einem Jahr wechselte er dann aber in einen Verein, um professioneller zu spielen. Und seitdem ging es mit seiner Karriere steil bergauf. Über einen kurzen Zwischenstopp in der zweiten Bundesliga stieg er 1996 mit der Poolbillard-Mannschaft des Neurönnebecker Turnvereins in die erste Bundesliga auf. “Ich habe damals unheimlich viel trainiert”, sagt Blacklaw, “und mein Talent hat mir natürlich auch ein bisschen geholfen”.

Heute reicht dem Bremer zweimal in der Woche ein konzentriertes Training von drei bis vier Stunden. Zusätzlich geht er noch Laufen oder Inlineskaten. “Mit der Zeit lebt man einfach mehr von der Erfahrung”, sagt John Blacklaw, “und das meiste passiert jetzt ohnehin automatisch”. Ein Konzept, das offenbar aufgeht.

Zu seinen größten Erfolgen zählt er die Titelgewinne bei den Deutschen Meisterschaften 2009 im 14-1 (wie beim 8-Ball werden alle Kugeln verwendet und man darf jede beliebige Kugel nach Ansage versenken), 2010 im 8-Ball und den fünften Platz bei der Europameisterschaft in Zagreb 2010. Von all diesen Titeln freut er sich jedoch am meisten über den Sieg im 8-Ball. Denn dort war er zuvor viermal hintereinander knapp Dritter geworden: “Das hat mich sehr geärgert, weil diese Disziplin eigentlich mein stärkstes Spiel ist”, sagt Blacklaw.

WM-Teilnahme als Höhepunkt

Als Höhepunkt seiner bisherigen Karriere bezeichnet er allerdings die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2010 in Hannover. Als austragende Nation hatte Deutschland das Glück, zwei Mannschaften stellen zu dürfen. So ging der damals für Hannover 96 startende Blacklaw mit dem zweiten deutschen Team an den Start und schied erst im Viertelfinale aus. “Das war einfach ein fantastisches Erlebnis, wirklich ein Highlight”, sagt Blacklaw. Bei einem solch großen Ereignis ist natürlich auch die Anspannung entsprechend groß. Auch wenn das für den Bremer kein Problem darstellt, findet er es doch faszinierend zu beobachten, wie andere mit Druck umgehen: “Ich habe die nötige Lockerheit am Tisch”, sagt Blacklaw, “aber es gibt nicht wenige, die sich nicht im Griff haben und dann aus lauter Frust ihren Queue kaputtschlagen”.

John Blacklaw weiß, dass es ganz normal ist, einmal einen Fehler im Spiel zu machen.

Dabei ist es nur wichtig, sich auf sein Spiel zu konzentrieren: “Ich setze dann den Tunnelblick auf und versuche einfach, mich selbst zu schlagen”, sagt Blacklaw.

Zurzeit spielt der 41-jährige mit der Mannschaft des Pool-Billard-Club Lingen in der zweiten Bundesliga. Und mit dem derzeit zweiten Platz in der Tabelle stehen die Chancen für einen Aufstieg in die Erste Liga ziemlich gut.

“Mein großes Ziel ist es, einmal Deutscher Mannschaftsmeister in der Bundesliga zu werden”, sagt der Bremer. Und für seinen Sport ist John Blacklaw bereit, so manches Opfer zu bringen. So nimmt er sich für die Teilnahme an Wettkämpfen jedes Jahr rund drei Wochen Urlaub. Dabei hat er das Glück, dass seine Lebensgefährtin und auch sein Arbeitgeber, eine Spedition, bei der Blacklaw im Rechnungswesen tätig ist, ihn bei seinem intensiven Hobby unterstützen: “Meine Freundin ist selbst Schiedsrichterin beim Billard und weiß deshalb wie das ist. Und auch mein Arbeitgeber hilft mir wo er kann”, sagt John Blacklaw.

Deshalb freut er sich, dass er zum Billard-Training nur bis in die Habenhauser Landstraße fahren muss. Dort hat der Bremer Billard Club, dessen erster Vorsitzende Blacklaw ist, sein Vereinsheim mit rund sechs Billard-Tischen. Hier hat er regelmäßig die Möglichkeit, mit den Besten aus dem Verein zu trainieren. Die erste Mannschaft spielt derzeit in der Oberliga – der höchsten Liga des Landesverbandes Niedersachsen. Insgesamt legt der Verein viel Wert auf die Nachwuchsförderung. Hierfür hat der Bremer Billard Club, der 1994 gegründet wurde, extra einen Jugendtrainer eingestellt. Heiko Harries hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kindern und Jugendlichen einen korrekten geraden Stoß mit dem Billard-Queue und die richtige Körperhaltung beizubringen.

Als Highlight richtet der Verein in diesem Jahr vom 15. bis 17. Juni ein großes internationales Billard-Turnier aus. Beim “Battle of Bremen” werden bis zu 128 Poolbillard-Spieler im 10-Ball (es wird mit den Kugeln 1-10 gespielt und Sieger ist, wer nach Ansage, schließlich die “10″ einlocht) an den Start gehen. Und einer davon wird natürlich John Blacklaw sein. Auch wenn er der Meinung ist, alles erreicht zu haben, was er in diesem Sport hätte erreichen können, wird er bei diesem Heimspiel mit Sicherheit alles geben, um diesen Kampf für sich zu gewinnen.

Der Bremer Billard Club trainiert täglich in der Habenhauser Landstraße 63 in Habenhausen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bremer-billard-club.de oder unter der Rufnummer 01 63 / 23 28 394

Weser Kurier